Donnerstag, 2. April 2020
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Weser - Tischtennisturnier des SC Weser Barme

Das Weser-Turnier des SC Weser Barme fand nun schon zum 55. mal statt. Da stellt sich schnell Routine ein, auch wenn immer neue Herausforderung auf den Plan treten: beispielsweise die Einführung von TTR-Werten oder der MKTT-Software sowie die Flut von immer neuen Wettkämpfen in der Liga-Saison von September bis April. Auch wir schreiben unser Turnier seit Ewigkeiten für das zweite und dritte März-Wochenende aus. Zwei Wochenenden, weil wir bis vor einigen Jahren noch über 500 Meldungen hatten und diese nicht alle an zwei Tagen abfertigen wollten bzw. konnten. Nun hatten wir zuletzt rund 350 Meldungen und überlegen, uns ggf. auf ein Wochenende zu verkleinern.

Für 2020 sollte jedoch noch alles beim Alten bleiben. Als Ende Februar das Thema Corona-Virus immer mehr Bedeutung gewann und sogar eine Absage des Karnevals im Gespräch war, fragten wir uns im Verein zunächst, ob uns das überhaupt etwas anginge. Einige Tage später gewannen wir den Eindruck, dass irgendetwas unsererseits getan werden musste: Wir besorgten Handseife für jeden Waschraum der Halle. Ein benachbarter Verein lieh uns seinen Plexiglas-Tresenaufsatz, damit wir unsere Verkaufstheke besser vor Tröpfcheninfektionen schützen konnten. Gleichzeitig sollte an der Theke mit Handschuhen und Desinfektion gearbeitet werden. Und bei der Begrüßung der Teilnehmer wollten wir diese insoweit vom Fairplay "befreien", dass eine Verweigerung des Handschlags vor und nach dem Match in Zeiten von Corona nicht als Unsportlichkeit oder Unfreundlichkeit anzusehen wäre. Außerdem riefen wir die Teilnehmer auf, sich regelmäßig die Hände zu waschen.

Eine Absage des ersten Wochenendes (7. und 8. März) hielten wir für übertrieben. Das galt offenbar auch für die Teilnehmer, denn die Meldezahlen blieben im normalen Bereich. Es hat uns auch niemand im Laufe des ersten Wochenendes auf Corona angesprochen. Es entstand uns der Eindruck, vielleicht sogar etwas zuviel gemacht zu haben und wir planten, das zweite Wochenende (14. und 15. März) genauso anzugehen.

Am Montag nach dem ersten Wochenende war zwar viel über Corona in den Medien, aber insgesamt schien die Lage gegenüber dem vergangenen Wochenende unverändert zu sein.

Das änderte sich ab Dienstag Mittag, als das Fußball-Bundesligaspiel Köln-Gladbach zum Geisterspiel erklärt wurde. Gleichzeitig wurden in einigen Bundesländern Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern verboten. Ausrichter von kleineren Veranstaltungen sollten sich laut Bundes-Gesundheitsministerium mit den örtlichen Gesundheitsämtern in Verbindung setzen. Am Dienstag Abend fand dann noch ein Punktspiel unserer 1. Herren statt. Hier wurde der Handschlag auch bereits häufig ausgelassen.

Der Anruf am Mittwoch beim Gesundheitsamt Verden war dann schon ernüchternd: Ob denn ausschließlich Teilnehmer aus Verden und Umgebung kämen, wollte die Dame vom Amt wissen. - Nein, das Turnier ist bundesoffen und es kommt auch ein Verein aus Dänemark. Die Dänen wären für sie uninteressant, die hätten ja nichts. Aber Teilnehmer aus NRW und Bayern wären durchaus ein Problem, so die Frau. Wir bekämen Mittwoch oder Donnerstag abschließende Nachricht, denn ein Gremium des Landkreises würde sich noch beraten. Der Mittwoch verlief ansonsten mit weiteren Absagen von anderen Veranstaltungen. Zwar waren die meisten davon deutlich größer als unser Turnier. Dennoch gewann man immer mehr den Eindruck, dass ein Durchziehen des zweiten Wochenendes vielleicht keine gute Idee sein könnte. Darüber hinaus lief so langsam die Zeit ab, ggf. den gemeldeten Teilnehmern wieder abzusagen. Denn Mittwoch Abend war Meldeschluss. Spät abends sagten schließlich noch unsere dänischen Freunde ab. Dänemark hatte die Grenzen zu uns geschlossen.

Der Donnerstagmorgen begann mit dem unbestimmten Gefühl, dass das zweite Wochenende wohl abzusagen ist. Telefonisch sprachen wir uns im Vorstand bereits vor der Rücksprache mit dem Gesundheitsamt ab, dass das Turnier so nicht weiter stattfinden könnte. Im Ergebnis waren wir uns da alle einig. Und das Gesundheitsamt bestätigte uns am Donnerstag Mittag: Es wollte uns das Turnier zwar nicht verbieten, stellte aber Forderungen über Vorsichtsmaßnahmen auf. Danach sollte der SC Weser Barme einen Ordnungsdienst einrichten, der ankommende Spieler befragen sollte, ob diese sich krank fühlten oder ob sie kürzlich in einem Krisengebiet (China, Italien) waren. Offensichtlich kranke Spieler sollten bereits an der Hallentür nach Hause geschickt werden. Der Ordnungsdienst sollte gleichzeitig auf die Einhaltung der Verhaltensregeln achten: kein Handschlag, Niesen in die Ellenbeuge, Händewaschen, Abstand zwischen den Teilnehmern auf der Tribüne(!). Diese Forderungen konnten und wollten wir nicht einhalten. Und wir wollten die Teilnehmer nicht in diese offensichtlich vorhandene Gefährdungslage bringen. Der erhoffte Spaßfaktor eines Turniers wäre so ohnehin nicht mehr gegeben. Zwischenzeitlich wurde dann zudem bekannt, dass der TTVN die Senioren-Landesmeisterschaften am selben Wochenende abgesagt hatte. Und der HTTV gab am Nachmittag bekannt, dass er den gesamten Spielbetrieb einstellte. Wir hatten also das Richtige getan.

Wie sagt man ein Turnier 48 Stunden vor seinem Beginn ab? Immerhin stand in unserer Ausschreibung, dass die kurzfristige Absage von Spielklassen mangels Teilnehmern stets möglich sei und eine Absage auf unserer Homepage veröffentlicht würde. Das taten wir auch umgehend. Nach einem Anruf beim TTVN nahm dieser die Absage unseres Turniers in den Click-TT-Turnierkalender auf. Von den meisten Teilnehmern hatten wir die Email-Adresse, so dass wir sie so erreichen konnten. Problematisch waren die Meldungen, die über MyTischtennis.de eingegangen waren. MyTischtennis sieht keine Absagen eines Turniers vor(nur für Races gibt es eine solche Funktion). Es gibt keine Möglichkeit, die Spieler direkt zu erreichen(nur über eine "Freundschaftsanfrage" und anschließender persönlicher Nachricht - ein zu langwieriger Weg für unsere Zwecke). Wir verbrachten also den Rest des Donnerstags damit, diese Teilnehmer über Google, Facebook und Click-TT zu finden. Einige Spieler konnten wir nur erreichen, indem wir ihre Mannschaftsführer kontaktierten. Für deren Hilfe und Verständnis sind wir echt dankbar! Ausgerechnet der Teilnehmer mit der weitesten Anreise war aber auf diese Weise nicht zu finden. Am Freitag Mittag konnten wir dann die Facebook-Gruppe seines Chemnitzer Vereins finden und dort eine Nachricht hinterlassen. Am Abend kam schließlich die Nachricht des Admins, dass der Sportsfreund nun Bescheid wisse. Puh! Nun noch ein Zettel mit der Absage an die Tür der verwaisten Halle anbringen - fertig.

Viele Teilnehmer hatten sich bestimmt schon gedacht, dass das Weser-Turnier nicht stattfinden würde. Es war für uns somit absehbar, dass einige der gemeldeten Teilnehmer bei Stattfinden des Turniers - einfach so oder kurzfristig abgemeldet - nicht kommen würden. Die Meldezahlen waren bis dahin unterdurchschnittlich, aber noch befriedigend. Fehlende Spieler hätten einige Spielklassen wohl sinnlos gemacht. Daher ergab die Absage des Turniers auch organisatorisch Sinn.

Der SC Weser Barme sitzt nun auf einem Haufen ungenutzter Pokale, Urkunden, literweise Seife, mehreren Dosen Würstchen und ähnlichem Zeugs. Den Großeinkauf frischer Ware für die Theke konnten wir glücklicherweise noch absagen. Pokale und Urkunden können wir nächstes Jahr wieder nutzen. Denn hoffentlich ist nächstes Jahr die Pandemie ausgestanden und wir können wieder normal unseren Sport ausüben. Und wir hoffen, Ihr bleibt gesund und uns treu!